1. Juni 2011

Chroniken der Elfen 01. Elfenblut - Wolfgang Hohlbein

Wolfgang Hohlbein
Chroniken der Elfen 01
Elfenblut

Informationen zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 761 Seiten
ISBN-10: 3800095033
Preis: 19,95€

Chroniken der Elfen:
1. Elfenblut
2. Elfenzorn

Kurzbeschreibung:
Die junge Pia wird aus den brutalen Slums von Rio in eine mittelalterliche, winterliche Welt katapultiert. Dort ist die junge Frau plötzlich die schöne Gaylen , und eine große Elfen-Prophezeiung wartet darauf, in Erfüllung zu gehen. 

Eigene Meinung:
Ich war mir nicht ganz sicher ob dieses Buch wirklich etwas für mich sein könnte und das einzig und allein aus dem Grund heraus das vorne Wolfgang Hohlbein draufsteht. Jeder der Fantasy liest wird irgendwann auf Hohlbein treffen und wer sich die Rezensionen zu seinen verschiedenen Büchern, oder die Beiträge zu ihm in diversen Foren liest, wird merken das die Leute geteilter Meinung sind. Die einen finden Hohlbein einfach grandios, die anderen abgrundtiefschlecht und dann gibt es noch diejenige die seine alten Bücher gut fanden, jedoch der Ansicht sind das er in seinen neueren Büchern nachgelassen hat. Deshalb hat es bei mir auch sehr lange gedauert bis ich mich dazu durchgerungen hatte endlich etwas von ihm zu lesen. Ich bin froh es getan zu haben. 

Man wird sofort in die Geschehnisse von "Elfenblut" hineingeworfen und findet sich in den Favelas von Rio de Janeiro wieder. Im Armenviertel der Stadt geht es meist nicht gerade legal zu und nach Sonnenuntergang sollte man das Haus besser nichtmehr verlassen. Pia, die als kleines Mädchen am Straßenrand gefunden wurde und in den Favelas aufgewachsen ist, hat selbst etliche Male gegen das Gesetz verstoßen. Zusammen mit ihrem Freund Jesus hat sie es diesmal auf Drogengeld abgesehen und legt sich gegenüber einer "Baustelle" auf die Lauer. Einige Zeit sieht es auch so aus als würden die beiden Erfolg mit ihrem Plan haben, doch gerade als der Kurier ihr das Geld aushändigen will, geht etwas schief. Es folgt eine wilde Verfolgungsjagd durch die schmalen Gassen der Favelas und gerade als es so aussieht als würden Pia und Jesus in der Falle sitzen, kommt ihnen ein unbekannter Mann in mittelalterlicher Rüstung zur Hilfe und verhilft ihnen zur Flucht. 

Schon auf der Baustelle ist dem Leser und auch Pia klar geworden das etwas seltsames geschieht. Seien es Pias plötzlich auftretende Talente die sie verwirren und erschrecken, oder das Tor in das sie plötzlich in eine andere Welt gerät. 

Wolfgang Hohlbein hat hier wirklich eine sehr interessante und gefährliche Welt geschaffen. In WeißWald herrscht das ganze Jahr über Winter, es ist klirrend kalt und die Stadt erinnert einen doch sehr an einen großen Käfig. Die Menschen haben seltsame Gebräuche, wodurch Alica und Pia, egal wohin sie gehen oder wie gut sie sich zu tarnen versuchen, auffallen wie bunte Hunde. Nach den spannenden Verfolgungsjagten schwächt die Geschichte nach einiger Zeit ab um dem Alltag Platz zu machen. Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Es wird keinesfalls langweilig, die Art der Spannung ändert sich nur. Da die beiden Frauen fremd in diesem Land und der Stadt sind, gibt es für sie vieles zu erkunden. Ob es nun die Menschen, ihre Gebräuche oder WeißWald selbst ist. Wer mit so etwas nichts anfangen kann, sollte vielleicht besser die Finger von dem Buch lassen, denn diese Sachen machen zumindest den Mittelteil des Buches aus. Gegen Ende steigt die Spannung wieder spürbar und Pia gerät zusammen mit ihrer Freundin Alica in mehr als nur eine lebensgefährliche Situation. Schließlich verlieren die beiden sich aus den Augen. Während Pia zurück nach WeißWald gebracht wird, verschwindet Alica praktisch vom Erdboden und man erfährt nicht was genau mit ihr passiert ist. Zwar bin ich sicher das man ihr im zweiten Band wieder begegnet wird, doch das bringt mich auf einen der eindeutig negativen Punkte.

Die Charaktere sind zwar facettenreich und wachsen einem ans Herz, doch manche von ihnen verschwinden spurlos und hinterlassen den Eindruck das sie ihre Funktion erfüllt haben und nicht mehr gebraucht werden. An und für sich nicht so schlimm, würde es sich nur um 1 oder maximal 2 handelt die auf diese Weise verschwinden. Der einzigen konstanten Charaktere in dieser Geschichte sind wirklich nur Pia und Alica. Brack der Gastwirt, der fast von Anfang an dabei ist, taucht irgendwann einfach nicht wieder auf. Man erfährt nicht was während der Flucht der beiden Frauen mit ihm passiert ist oder ob er am Ende noch lebt. Beim Hauptmann der Garde bekommt man zwar durchaus mit was mit ihm geschieht, aber ich fand es doch ein wenig unrealistisch das Pia sich, nachdem es passiert ist, einfach anderen Dingen zugewendet hat und keinen Gedanken mehr an ihn verschwendet hat. Sicher, sie befand sich zu diesem Zeitpunkt in Lebensgefahr, aber es hätte ja auch ein flüchtiger Gedanke gereicht um dafür zu Sorgen das man nicht das Gefühl hat es wäre egal. 

Auch fand ich es ein wenig schade das man dem unbekannten Retter vom Anfang des Buches nicht wieder begegnet ist und man selbst am Schluss über die geheimnissvolle Prophezeiung nicht mehr wusste als davor. Dennoch bin ich der Meinung das man "Elfenblut" nicht als Einleitung betrachten kann, dafür passiert und erfährt man einfach zu viel (auch wenn es teilweise nicht das ist was man gerne hätte). 

Mich hat das Buch aufjedenfall von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Auch im eher ruhigeren Mittelteil gab es Szenen die mich gefesselt und mir dadurch geholfen haben über die weniger interessanteren Dinge hinwegzusehen. Ich weiß nicht was mich im nächsten Band erwartete, doch ich hoffe darauf das einige Dinge aufgedeckt werden und man von manch anderen mehr zu sehen bekommt. Das Ende von "Elfenblut" macht einen aufjedenfall neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte. 

Fazit:
"Elfenblut" ist ein durchaus gelungenes und spannendes Buch dessen Ende einen neugierig auf den zweiten Band macht, jedoch auch die ein oder andere Schwäche hat. Die Charaktere sind facettenreich und vielschichtig, verschwinden aber teilweise spurlos und werden dadurch nicht vollkommen ausgeschöpft. Man wird regelrecht in die Geschichte hineingeschmissen, allerdings schwächt der Plot zur Mitte hin etwas ab und richtete sein Augenmerk auf andere Dinge als am Anfang, gegen Ende werden aber nochmal ganz große Geschütze aufgefahren und die Spannung ist kaum zum aushalten. 

Da mich das Buch trotz allem gefesselt und nichtmehr losgelassen hat, gibt es von mir

4/5 Sternen für den Auftakt der Chroniken der Elfen.  

Ich werde sicher noch heute Abend mit dem zweiten Band "Elfenzorn" beginnen.  

Ein großes Dankeschön an den Otherworld/Ueberreuter Verlag der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat! 

 
 

1 Kommentare:

Nazurka hat gesagt…

Wirklich interessante Rezension! Du bist noch sehr gutmütig! Das mit den Charakteren ist also nicht nur mir so gegangen. Man merkt, dass wir beide doch wirklich einen sehr ähnlichen Geschmack haben - schön! Bin gespannt auf deine Rezi zum 2. Teil, werde den Band nun auch demnächst beginnen.

Liebe Grüße,
Nazurka. :)

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